
Immer, wenn ein wichtiges Fußballereignis statt findet, ist er präsent. An der Seite von Gerhard Delling kommentiert Günter Netzer seit 1998 in der ARD. Wer dem Gespräch mit Martin Maria Schwarz, Moderator, Redakteur und Autor beim Hessischen Rundfunk, zuhört, wird möglicherweise auf manche Überraschung im Leben des erfolgreichen Fußballspielers und Geschäftsmannes Günter Netzer stoßen.
Netzer erzählt von seinen Anfängen, als Junge, der mangels anderer Hobbys Fußball spielte, von seiner Zeit bei Mönchengladbach als Provinzfürst und dem Einfluss, den „seine Freundin“ auf ihn ausübte: Er lernte eine neue Art zu leben kennen, machte Bekanntschaft mit Künstlern der „Jungen Wilden“-Szene in Düsseldorf und ließ sich die Haare lang wachsen. Sein Markenzeichen, die wehende Mähne und der fast schon „zärtliche“ Umgang mit dem Ball, machten ihn zu einer Symbolfigur im deutschen Fußball. Zweimal wurde er deutscher Meister mit Borussia Mönchengladbach, zweimal siegte er mit Real Madrid. Unglaublich, aber wohl wahr, klingt eine Anekdote aus dieser Zeit. Das Reglement für die Spieler war in Spanien ziemlich streng. Dennoch erlaubte sich Netzer, ohne echten Pass – den mussten die Fußballspieler abgeben -, mit einem Freund übers Wochenende zu einer Party zu Frank Sinatra nach Las Vegas zu fliegen.
Nach seiner Tätigkeit als Manager des HSV – Trainer zu werden kam für Netzer nicht in Frage – machte sich Fußballmüdigkeit breit. Es vergingen einige Jahre, bis Netzer zusammen mit dem Journalisten Gerhard Delling das Kritik-Modell aufbaute. Seitdem beglücken die beiden die Zuschauer in der ARD. Das Spektakel mit dem jüngeren, redegewandten Delling und dem strengen, immer etwas steifen Fachmann Günter Netzer ist mit Sicherheit nicht nach jedermanns Geschmack. Aber das Duo ist erfolgreich, im Jahr 2000 erhielten sie sogar den Adolf-Grimme-Preis! Stichwort Erfolg. Keine Frage, der 1944 in Mönchengladbach geborene Günter Netzer hatte im Leben viel Glück. Eine Portion Arroganz und die Sicherheit, Chancen zu erkennen, taten seiner Meinung nach das Übrige. Hinzu kommt Netzers Gespür dafür, mit Fußball, nicht nur als Spieler, richtig Geld zu machen. Der Fußball war für ihn eben nur „Triebfeder“, und nicht alles.
Sprecher: Günter Netzer
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